Erste Hilfe beim Haustier – die wichtigsten Handgriffe
Ein Notfall beim Haustier kann jederzeit und völlig unerwartet eintreten – ob beim Spaziergang, zu Hause oder auf Reisen. Schnelles und richtiges Handeln kann Leben retten, bis professionelle tierärztliche Hilfe eintrifft. Dabei ist es entscheidend, ruhig zu bleiben und die wichtigsten Maßnahmen zu kennen.
In diesem Artikel zeigen wir Ihnen tiermedizinisch fundierte Erste-Hilfe-Handgriffe, die jeder Tierhalter beherrschen sollte. So können Sie Ihrem Liebling im Ernstfall die bestmögliche Unterstützung bieten.
1. Wie erkenne ich einen Notfall beim Haustier?
Zu den typischen Anzeichen eines Notfalls zählen plötzliche Atemnot, starkes Hecheln ohne Hitze, Krampfanfälle, blasse oder blaue Schleimhäute, starker Blutverlust oder Bewusstlosigkeit.
Auch ungewöhnliches Verhalten wie Apathie, Aggressivität oder unkoordinierte Bewegungen kann ein Warnsignal sein. Bei solchen Symptomen zählt jede Minute – rufen Sie sofort einen Tierarzt oder eine Notfallklinik an.
Notieren Sie die Symptome genau, um sie später weitergeben zu können. Eine gute Vorbereitung beinhaltet auch, Notfallnummern stets griffbereit zu haben.
Weiterführender interessanter Artikel dazu „Tierische Frühwarnzeichen erkennen – so deuten Sie Veränderungen richtig“
2. Blutungen stillen – so geht es richtig
Starke Blutungen erfordern sofortiges Handeln, um einen lebensbedrohlichen Blutverlust zu verhindern.
Legen Sie eine sterile Mullkompresse auf die Wunde und üben Sie gleichmäßigen Druck aus. Verwenden Sie eine selbsthaftende Bandage, um den Verband zu fixieren, ohne die Blutzirkulation komplett zu unterbrechen.
Bei stark blutenden Gliedmaßen kann ein provisorischer Druckverband helfen – achten Sie jedoch darauf, ihn nicht zu lange angelegt zu lassen.
Rufen Sie umgehend tierärztliche Hilfe, da die Blutungsursache professionell behandelt werden muss.
3. Atem- und Herzstillstand – Wiederbelebung beim Tier
Wenn Ihr Haustier nicht mehr atmet und kein Herzschlag spürbar ist, kann eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) Leben retten. Legen Sie das Tier auf die rechte Seite, prüfen Sie Atemwege und Herzschlag.
Beginnen Sie mit Herzdruckmassagen im Rhythmus von ca. 100–120 Druckbewegungen pro Minute, kombiniert mit Atemspenden über die Nase (bei geschlossenen Lippen).
Bei kleinen Tieren erfolgt die Herzdruckmassage mit einer Hand, bei größeren mit beiden Händen. Diese Technik erfordert Übung – daher ist ein Erste-Hilfe-Kurs für Tierhalter sehr empfehlenswert.
4. Hitzschlag und Unterkühlung erkennen und behandeln
Ein Hitzschlag tritt oft an heißen Tagen oder bei starker Belastung auf – Anzeichen sind starkes Hecheln, Taumeln, Erbrechen oder Bewusstlosigkeit.
Bringen Sie das Tier sofort in den Schatten, befeuchten Sie Pfotenballen, Bauch und Innenschenkel mit kühlem (nicht eiskaltem) Wasser und bieten Sie frisches Wasser an.
Unterkühlung hingegen kann bei kaltem Wetter oder nach einem Wasserunfall entstehen – das Tier zittert, wirkt apathisch und hat eine niedrige Körpertemperatur. Wickeln Sie es in eine trockene Decke, ggf. bieten Sie eine Wärmflasche oder Wärmelampe aus dem Amphibienbereich an, sodass der Hund oder die Katze langsam aufgewärmt wird.
In beiden Fällen gilt: Tierarzt sofort kontaktieren.
5. Verschlucken und Atemwegsblockaden
Verschluckte Gegenstände können die Atemwege blockieren – das Tier hustet, würgt oder bekommt kaum Luft. Bei kleinen Fremdkörpern kann sanftes Öffnen des Mauls und vorsichtiges Entfernen helfen.
Ist das nicht möglich, können Sie durch kräftige, aber kontrollierte Stöße auf den Brustkorb versuchen, den Gegenstand zu lösen (ähnlich dem Heimlich-Manöver).
Vorsicht: Unsachgemäße Eingriffe können Verletzungen verursachen. Nach erfolgreicher Entfernung sollte das Tier unbedingt tierärztlich untersucht werden, um Folgeschäden auszuschließen.
6. Vergiftungen schnell und sicher behandeln
Typische Anzeichen für eine Vergiftung sind Erbrechen, Durchfall, Zittern, Krämpfe oder veränderte Pupillen. Häufige Ursachen sind bestimmte Lebensmittel, Pflanzen, Medikamente oder chemische Substanzen.
Rufen Sie sofort den Tierarzt oder eine Giftnotrufzentrale an – geben Sie an, was und wie viel das Tier aufgenommen hat.
Versuchen Sie nicht, Erbrechen ohne tierärztliche Anweisung auszulösen, da dies in manchen Fällen gefährlich sein kann. Halten Sie mögliche Giftstoffe zur Identifizierung bereit.
Mehr dazu in unserem Artikel zu „Gefährliche Lebensmittel für Hund und Katze“.
7. Knochenbrüche und Gelenkverletzungen
Knochenbrüche oder schwere Verstauchungen äußern sich durch Lahmheit, Schwellungen oder sichtbare Fehlstellungen.
Bewegen Sie das verletzte Tier so wenig wie möglich und vermeiden Sie zusätzlichen Druck auf die betroffene Stelle. Eine provisorische Schienung kann helfen, muss aber von einem Tierarzt professionell versorgt werden.
Tragen Sie das Tier bei kleineren Hunden oder nutzen Sie eine improvisierte Trage bei größeren Tieren. Ruhe, Sicherheit und schneller Transport sind hier entscheidend.
8. Wie Sie vorbereitet bleiben – Erste-Hilfe-Set für Ihr Tier
Ein gut ausgestattetes Erste-Hilfe-Set kann im Ernstfall entscheidend sein.
Es sollte u. a. Desinfektionsmittel, sterile Kompressen, selbsthaftende Bandagen, eine Schere mit abgerundeten Spitzen, Einmalhandschuhe, Zeckenzange und eine Rettungsdecke enthalten.
Bewahren Sie es griffbereit und gut sichtbar auf, auch im Auto. Überprüfen Sie regelmäßig den Inhalt und ersetzen Sie abgelaufene Produkte. So sind Sie für Notfälle jederzeit gerüstet.
Lesenswert auch unser Artikel „Tier-Reise-Apotheke – Diese 10 Dinge müssen unbedingt drin sein“.
Ruhe bewahren und vorbereitet sein
Erste Hilfe beim Haustier bedeutet, im Ernstfall schnell und überlegt zu handeln. Mit dem Wissen um die wichtigsten Handgriffe und einer guten Vorbereitung können Sie die Zeit überbrücken, bis professionelle Hilfe eintrifft.
Regelmäßige Auffrischung Ihrer Kenntnisse durch Kurse oder Fachartikel ist dabei ebenso wichtig wie das passende Equipment. So schenken Sie Ihrem Tier nicht nur Sicherheit – sondern im Ernstfall vielleicht sogar das Leben.
Unsere Philosophie:
„Wohlbefinden beginnt zu Hause – Betreuung mit Herz und Verstand“

