Mein Hund zieht an der Leine

Mein Hund zieht an der Leine – Ursachen verstehen und gezielt gegensteuern

Wenn der Spaziergang zum Kraftakt wird und Ihr Hund ständig an der Leine zieht, ist das nicht nur unangenehm – es kann auch gesundheitliche Folgen für Mensch und Tier haben. Doch bevor man zum Gegensteuern ansetzt, lohnt sich ein Blick auf das „Warum“.

Denn: Leinenziehen ist selten ein Zeichen von Ungehorsam – sondern von Stress, Überforderung oder unklarer Kommunikation zwischen Besitzer und Hund.

Die häufigsten Ursachen: Warum zieht mein Hund an der Leine?

Hinter dem Verhalten eines ziehenden Hundes steckt meist kein „dominantes Auftreten“, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

Die häufigsten Ursachen im Überblick:

1. Fehlende Leinenführigkeit von Anfang an

Viele Hunde lernen nie wirklich, was Leinenführigkeit bedeutet. Gerade bei jungen Hunden ist die Welt spannend – und die Leine wird zur lästigen Begrenzung.

2. Innere Unruhe oder Stress

Ein übererregter Hund, der ständig auf Habacht-Stellung ist, zieht oft unbewusst – sein Körper steht unter Spannung. Hier gilt es, die Stressoren zu erkennen.

3. Unklare Kommunikation mit dem Menschen

Fehlende Führung, uneinheitliche Kommandos oder widersprüchliches Verhalten können beim Hund Unsicherheit erzeugen – das Ergebnis ist oft: Ziehen.

4. Körperliche Ursachen

Orthopädische Probleme, Atemnot bei kurznasigen Rassen oder nicht passende Geschirre können ein Ziehen verstärken oder gar auslösen.


Warum Leinenziehen mehr als ein Erziehungsproblem nach sich ziehen kann

Was viele unterschätzen: Anhaltendes Ziehen kann langfristig gesundheitliche Schäden verursachen – etwa:

  • Belastung der Halswirbelsäule (bei Halsband-Nutzung)
  • Verspannungen im Schulter-Nackenbereich
  • Haut- und Kehlkopfverletzungen
  • Chronischer Stress und Angstverhalten

Zudem kann der Spaziergang für den Halter zur physischen und psychischen Belastung werden – vor allem bei großen oder kräftigen Hunden.


Welche Rolle spielt die Bindung beim Spaziergang?

Eine gute Leinenführigkeit beginnt nicht an der Leine, sondern in der Beziehung.

Ein Hund, der sich sicher und verstanden fühlt, orientiert sich automatisch stärker am Menschen.


Schritt für Schritt zur entspannten Leinenführigkeit

1. Richtige Ausrüstung wählen

Ein gut sitzendes Y-Geschirr (kein Druck auf Kehlkopf oder Schultergelenke), eine 2–3 Meter lange Leine und evtl. eine Führleine für gezieltes Training sind das A und O.

2. Belohnungsbasierte Erziehung statt Strafe

Bestrafung (ruckartiges Ziehen an der Leine, lautes Schimpfen) sorgt für Verunsicherung – und verschlimmert das Problem oft. Positive Verstärkung führt zu nachhaltigem Lernerfolg.

3. Trainingsmethode: „Stehenbleiben bei Zug“

Bewegt sich der Hund an gespannter Leine – sofort stehen bleiben. Erst bei lockerer Leine geht’s weiter. Konsequent, aber ruhig.

4. Aufmerksamkeit umlenken

Bevor der Hund zieht, durch Stimme, Richtungswechsel oder gezielte Übungen seine Aufmerksamkeit einfangen. So lernt er, sich an Ihnen zu orientieren.

5. Kontrollierte Umweltwahl

Beginnen Sie in reizarmen Gebieten. Je nach Fortschritt können Reize (andere Hunde, Verkehr, Menschen) gezielt dosiert eingebaut werden.


Was tun bei besonders starkem Ziehen beim Gassi gehen?

Wenn das Ziehen extrem ist oder mit Aggressionsverhalten, Angst oder übermäßiger Aufregung einhergeht, ist ein gezieltes Einzeltraining sinnvoll.

Auch medizinische Ursachen sollten ausgeschlossen werden – z. B. Schmerzen, neurologische Störungen oder Atemprobleme.


Fazit: Leinenziehen ist lösbar – mit Geduld, Klarheit und Verständnis

Ein Hund, der zieht, ist kein „Problemhund“.

Er ist oft einfach fehlgeleitet, überfordert oder missverstanden.

Wer sich die Zeit nimmt, die Ursachen zu ergründen und auf klare Kommunikation setzt, wird bald belohnt – mit Spaziergängen, die Mensch und Tier wirklich Freude machen.


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